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Was die neueren Horrorfilme versuchen, Tarantino schon lange kann und “SAW” und “Sieben” als einzige geschafft haben, kann man auch über diesen Film sagen: er ist in Passagen wirklich heftig.
Auf ein Bild werde ich hier bewusst verzichten, denn was mir dazu einfällt, ist alles nicht schön.
Die Geschichte ist bekannt: eigentlich harmlose Urlauber (westlicher Staat?) kämpfen gegen barbarische Hinterwäldler (islamischer Staat, früher Russland, wer auch immer…)
Die Geschichte ist also universell und wurde so gesehen in Texas Chanisaw Massacre, neulich Wrong Turn, z.B. auch the Devils Rejects oder House of Wax in Abwandlung, es gibt noch viel mehr. Gemeinsam mit den ganannten Filmen ist auch die verschwitzte, staubige Wüstenatmosphäre, das Fernsein von jeglicher Zivilisation. Die Helden befinden sich in der Welt der anderen, sind ausgeliefert, müssen sich hier behaupten, um zu überleben. Natürlich werden erst welche getötet. Natürlich setzen sie sich irgendwann zur Wehr (und wir alle fiebern mit, mal ehrlich, go, brother, go!). Das Ende ist offen, da gibt es verschiedene Varianten, so auch hier.
Also nochmal: der Grundplot bietet wenig Überraschungen. Schon aber die Umsetzung. Genaugenommen gibt es eine Szene in der Mitte des Films, die den eigentlichen Höhepunkt darstellt. Über ca. 5 Minuten wird der Horror immer mehr gesteigert, das ist der absolute Hammer. Und da ein gewisser Kontakt zu möglichen Realitäten gewahrt bleibt, sage ich euch: das möchtet ihr nicht erleben, was den Leuten da zustösst.
Blut wird auch viel vergossen, vor allem gegen Ende fast inflationär. So gesehen ist es teilweise erstaunlich splatterig, obwohl das schon eine stark geschnittene Fassung sein dürfte. Aber das passiert nicht als Selbstzweck, zumindest wirkt es nicht so. Ich sage mal voraus: was “Hostel” vielleicht schaffen wird und dafür im Vorfeld über das Filmplakat schon viel verschenkt (also bitte, wer kann da hingehen und sich nicht als Folterfan outen?), hat dieser kleine Film mit bewundernswerter Konsequenz locker vorgelegt.
Also wenn ihr euch gerne gepflegt erschrecken lasst und auch den Helden gerne mal selber zulangen seht – geht hin, es lohnt sich.
17.August 2008
People are different in Unna
Glaubt den Kritikern nicht. Geht hin! Brillianter und gleichzeitig rührender Film von Peter Thorwarth (Bang Boom Bang / Was nicht passt wird passend gemacht), der auch voll auf die Knochen geht.
Als grosser Fan von “Bang Boom Bang” und dem anderen obengenannten Film war ich schon ein wenig gespannt, was denn auf mich zukäme. Der (Anti-)Held Ingo (Wotan Wilke Möhring) ist Eventmanager und eine fast perfekte Marius Müller-Westernhagen-Kopie aus dessen frühen Jahren, vor allem auch vom Charakter her, den er spielt. Man leidet mit ihm, man befürchtet das Schlimmste, man denkt, oh Gott, das dicke Ende wird noch schlimmer.
Ingo ist meistens peinlich und verstrickt sich nicht in ein Netz aus Lügen. Nein, er hängt schon hoffnungslos drin. Die Ergeignisse rund um ein Jet-Set Golfturnier und lauter Hochstapler spitzen sich in typischer Thorwarth-Manier zu, und dann passiert das unerwartete: ein ernsterer Ton wird angeschlagen. Stellen Sie sich vor, Sie befünden sich tatsächlich inmitten dieses heillosen Schlamassels.
Für mich ein mutiger Schritt, der die Bilder länger haften lässt und einen grossen Zugewinn an Dynamik bedeutet. Der Übergang dahin ist zugegebenermassen holprig – na und? Zurück bleibt eine Parabel über die Verführungen des Erfolgs, über die Haltbarkeit von Täuschungen und die Probleme von Frauen mit supergutem Aussehen (davon gibt es hier einige). Lassen sie sich mitnehmen über diese Buckelpiste, aber machen sie vorher etwas Skigymnastik. Ich habe die meiste Zeit schallend gelacht, vielleicht tun Sie es auch.
17.August 2008
Überdrehte Komödie um kreative Wege aus der Arbeitslosigkeit
Dick (Jim Carrey) und Jane (Leoni Harper) haben ein Problem. Gestern noch waren sie solide und mit Perspektive beschäftigt und wohnten in einem teuren Haus in einer teuren Gegend. Doch heute schon gerät diese heile Welt erheblich aus den Fugen. Während Jane ihren grässlichen Job mit einem Lachen im Gesicht kündigt, wird Dick von seinem Boss übel mitgespielt. Er freut sich über die Beförderung zum PR-Chef, doch allzu schnell muss er feststellen, dass in seiner Firma etwas faul ist…
Ehe sie sichs versehen, sind beide ohne Job, und ein neuer ist nicht in Sicht. Spätestens als der Strom abgestellt wird, begreifen Dick und Jane den Ernst der Lage. Nachdem verschiedene Versuche, die Kurve zu kriegen, in aberwitzigen Desastern enden, drehen sie den Spiess um und werden ehrliche Kriminelle.
Der Film legt nochmal einen Zahn zu, und Jim Carrey und Leoni Harper erweisen sich als tolle Besetzung. Harper wird keinesfalls vom Comedy-Star an die Wand gespielt, sondert ist als Filmcharakter meist die ausgebufftere von beiden. In rasanter Bonnie-und-Clyde-Manier werden die beiden vorübergehend zu recht erfolgreichen Gangstern; noch lustiger ist allerdings, welch ein Versager Jim Carrey zunächst als Räuber ist.
Im Stile älterer Hollywood-Komödien ziehen sich die Darsteller hier selber durch den Kakao und schrecken auch vor plakativer Hässlichkeit nicht zurück. Schade ist, dass der Duktus etwas hektisch gerät, und dem Zuschauer kaum Zeit gelassen wird, Sympathie für die Helden zu entwickeln. Eine Beruhigung hier und da und eine feinere Charakterzeichnung hätte dem Film gutgetan. Dafür ist das Gagfeuerwerk aber erste Sahne, bei unserer Vorstellung im Kino wurde allenthalben laut und herzlich gewiehert, das Publikum war dabei.
Wer Jim Carrey mag und auf High-Speed Komödien steht, wird prächtig unterhalten.
17.August 2008
Neuverfilmung von Peter Jackson lässt kein Auge trocken
Bei der Rezension dieses Filmes kann man schon ein paar Superlative herausholen. Mit über 200 Millionen Dollar ist er schliesslich auch der vorerst teuerste aller Zeiten. Da es auf angelaufen.de schon eine Zusammenfassung einiger (also wirklich einiger) Kritiken gibt, kann ich hier freien Herzens subjektiv zu Werke gehen.
Na, dann will ich mal meiner Begeisterung Ausdruck geben.
Das Opus ist rund drei Stunden lang, und es wird keine Sekunde langweilig. Haarsträubendste Actionszenen in der Mitte des Filmes werden eingefasst von ruhigen und nachdenklichen Momenten am Anfang und im letzten Teil, die in New York spielen. Dieser Spannungsbogen wird perfekt durchgehalten und man verlässt das Kino völlig durchgeschüttelt, und trotzdem auch berührt. Und das, obwohl die Story von den wichtigsten Plotwendungen her sattsam bekannt ist.
Die Spezialeffekte sind von einer nie dagewesenen Perfektion und Jackson haut aufs Mett, was die Rendering-Engine hergibt. Man sieht dabei in jedem Detail, wie teuer das gewesen sein muss. Der Effekt ist allerdings, dass vor allem die Figur King Kongs definitiv nicht mehr digital animiert aussieht, und der Zuschauer das irgendwann schlicht vergisst. Eine Szene, wo Kong sich einen Kampf mit dem T-Rex liefert, steigert sich mitutenlang bis ins Absurde, und man hält abwechselnd den Atem an vor Schreck und muss dann wieder brüllend lachen. So etwas, das verspreche ich euch, habt ihr im Kino noch nicht gesehen.
Doch das ist nur die Hälfte der Medaille. Was das ganze Effektspektakel, das sonst leicht auseinanderfallen könnte, zusammenhält, ist etwas anderes. Es wird glaubhaft vermittelt, wie sich zwischen King Kong und Ann Darrow (gespielt von der grossartigen Naomi Watts) eine Beziehung entwickelt. Und das wesentliche spielt sich dabei im Gesicht des Gorillas ab: dieses Mienenspiel des Affen ist der eigentliche Star des Filmes. Wie die weisse Frau nach anfänglicher Todesangst immer mehr Symphatie und schliesslich so etwas wie Liebe (soweit das sein kann, es ist klar, dass nicht geknutscht wird) für den Affen entwickelt, das rührt einfach zu Tränen.
Wer keine Angst vor Spoilern hat, kann auch die Kritik von Karsten Baumgart auf Filmstarts.de lesen. Baumgardt geht ausführlich auch auf Hintergründe der Produktion ein.
Wer der Name der Rose, Blade Runner und Terminator 2 (für mich DIE optisch eindrucksvollsten Filme, die ich jemals gesehen habe) mochte, wird den Film lieben. Wer für so etwas nichts übrig hat, sollte vielleicht lieber nicht hingehen. Für mich bleibt es der Film des Jahres, Harry Potter und auch Star Wars können da nicht mithalten, das ist meine subjektive Meinung.
17.August 2008