Endspielbücher Teil 1 - Silman's Complete Endgame Course - Jeremy Silman

Silmans Complete Endgame Course

Übe Endspiele! Diesen Rat hat bestimmt so mancher Anfänger, Fortgeschrittene und auch schon sehr gute Schachspieler bestimmt schon mehrmals, wenn nicht zu oft, zu hören bekommen.

Ja Moment - ich kann doch Endspiele? Mit dem Turm mattsetzen, einen  Mehrbauern verwerten, ein Remis rausholen, wenn eines drin ist? Und überhaupt - Endspiele üben ist laangweilig.

Man kann sich denken, was ich dazu sagen will, wenn ich einen Artikel über ein Endpspielbuch schreibe. Falsch, Richtig, und Falsch. Ja, jeder kann ein paar Basis-Endspiele. Wahrscheinlich kann man auch die Lucena- und Philidor-Turmendspiele und noch ein paar mehr. Aber schon der Blick in das Inhaltsverzeichnis eines Endpspielbuches wie des vorgestellten oder in das von "100 Endgames you must know" von Jesus de la Villa läßt uns ahnen, daß da doch etwas mehr ist. Läufer gegen Turm, entfernter Mehrbauer, Remistricks mit König und Bauer gegen die Dame - o.k. auch diese kennt man vielleicht noch.

Aber: Turm und zwei verbundene Bauern gegen Turm und Bauer? Ist das Remis oder nicht? Und wenn ja, wann? Wir ahnen, daß Turmbauern auch hier wieder besonders sind, aber wie genau? Zwei Läufer gegen König, ungleichfarbige Läufer gegen zwei Mehrbauern?

Und auch bei den scheinbar "einfacheren" Endspielen: wie viele davon kann man auch in der üblichen Drucksituation einer Turnierpartie mit Zeitnot, wie es oft bei Endspielen der Fall ist, aus dem Eff-eff? Ich möchte mal vermuten, daß der geneigte Leser gerne den Mantel des Schweigens darüber breiten möchte, wie viele halbe und ganze Punkte er durch mangelnde "Wettkampfhärte" in Basis-Endspielen schon verloren hat. Was man da in den Schnellschachpartien im Verein öfters zu sehen bekommt, au, au, au...

Silman to the rescue

Jeremy Silman hat ein paar sehr bekannte Lehrbücher geschrieben, und auch dieses gehört dazu. Auch er kennt die oben beschriebene Situation, und selbst Großmeister sind vor dem "Aber ich kann doch Endspiel" und verhauen es dann doch, nicht gefeit. Also hat sich Herr Silman die Frage gestellt, wie man den Stoff denn motivierend und systematisch aufbereiten kann.

Es gibt von dem Buch auch eine deutsche Ausgabe, ich habe jedoch die englische. Das Buch geht vom Leichten zum Schweren vor. Eingeteilt in die amerikanischen Rating-Klassen E bis A (dieses System hat immer 200 Elo-Punkte Sprung pro Klasse und reicht von ELO 1000 bis 2000) und noch eine Klasse darunter und zwei darüber teilt es die Endspiele ein, die man können muss. Überflüssig zu sagen, daß man auch unterhalb seiner Rating-Klasse Sachen findet, wo man sagt öööhm...

Diese Einteilung hilft sehr, und so systematisch findet man es kaum in einem anderen Buch. Ich kann also hingehen, und zumindest die Sachen üben, die ich für meine Rating-Klasse können sollte. Das wäre doch schon mal was.

Immer schön locker

Man merkt Herrn Silman an, daß er als Schachtrainer tätig ist und nicht erst seit gestern. Immer wieder gibt es "Tip" Boxen, in denen aus dem aktuellen Beispiel abgeleitete Regeln nochmal hervorgehoben werden. Am Ende jedes Kapitels werden die wichtigsten Regeln noch einmal zusammengefasst, und es gibt einige Übungsaufgaben, die man lösen können sollte, wenn man das Kapitel durchgearbeitet hat. Es wird auch nochmal zusammengefasst, welche Endspiele gewonnen, Remis und verloren sind.

Wenn man es geübt hat, sollte man in der Lage sein, auch gegen eine starke Engine wie Stockfish auf der stärksten Stufe das Remis zu halten oder zu gewinnen. Denn das ist das Schöne am Endpspiel: hier sind wir alle gleich und keiner kann zaubern. Natürlich schaffen stärkere Spieler es oft, uns dann trotzdem noch in eine Falle zu locken. Damit das nicht passiert: üben, üben.

Hoppla, ich komme

Wenn ich in einem Turnier in ein Endpiel komme, dann merke ich jedesmal sehr deutlich, ob ich selbiges "kann" oder nicht. Das motiviert mich dann sehr, mich wieder ranzusetzen und mich weiter durch Silmans Buch zu arbeiten. Es gibt andere hervorragende Endspielbücher wie Dvoretskis "Enspiel-Universität", das erwähnte von de la Villa und weitere. Jedoch glänzt Silmans durch sein humorige und didaktisch kleinschrittige Art, seine motivierenden Kommentare und den pädagogisch, wie ich finde, besten Aufbau.

Wenn man schon sehr fortgeschritten ist, mag man hier nicht mehr so viel finden, jedoch für micht wird es noch erhebliche Zeit dauern, bis es soweit ist.