Run, Fatboy run - luftig leichte Komödie mit perfektem Timing

Run, Fatboy, Run

Sport ist Mord - oder doch nicht? Speziell das Laufen eines Marathons ist symbolhaft etwas, was den Couch-Potatoe vom drahtigen Fitnessadepten unterscheided. Daher wird es in Filmen immer gerne aufgegriffen, um ein kathartisches Erlebnis für den Helden zu konstruieren. Oder auch nicht - man bedenke die legendäre Folge von "How I met your mother". Barney: "I can run a marathon". Er trainiert natürlich keinen Meter und macht ein echtes Barney-Event daraus.

Etwas näher an der Realität ist die britische Komödie von David Schwimmer "Run, Fatboy, Run" mit Simon Pegg in der Hauptrolle. David Schwimmer - da war doch was ... Ja, die Darsteller der wohl weltreich erfolgreichsten Dauerbrenner-Komödenserie "Friends" hatten allesamt erhebliche Schwierigkeiten, aus dem Schatten dieses Monsters herauszutreten.

In einer solchen Erfolgsshow mitzuspielen, hat erhebliche Spätfolgen. Man ist, wenn man sich nicht sehr anstrengt, für alle Zeiten getypecastet - d.h. man bekommt keine Rollen, die nicht dem Filmcharakter der Erfolgsserie entsprechen. David Schwimmer selber sagte dazu, dass er mindestens 10 Jahre keine Rolle in einem Film annehmen wolle, um eine Chance zu haben. Nun tritt er als Regisseur mit einem Erstlingswerk in Erscheinung - ein kluger Schachzug.

Loser-Komödie mit Biss

Aber was wäre der "Friends"-Fluch, wenn er Schwimmer nicht bis in diesen Blog verfolgen würde. Der luftig leichte Ton der Serie, der keine Angst hat, auszuteilen, aber selten richtig wehtut, weht auch durch "Run, Fatboy, Run". Simon Pegg spielt den sympathischen Loser Dennis, der am Hochzeitstag mit seiner Liebe Libby (Thandy Newton aus "Westworld") so kalte Füße bekommt, dass er sprichwörtlich davonläuft. Schnitt, fünf Jahre später. Dennis läuft wieder, und zwar einem Ladendieb hinterher. Wie sich herausstellt ist er aber nicht etwa bei der Polizei, sondern Sicherheitsmann in einem Damenmodegeschäft. Das Thema Laufen wird also geschickt eingeführt und beherrscht so den ganzen Film. Der neue Freund von Libby, der gut verdienende und ebenso aussehehende Whit (Hank Azaria) ist genauso ekelhaft nett, wie er erfolgreich ist. Und - natürlich - er läuft Marathon, obendrein für einen guten Zweck.

Schier übermächtige Konkurrenz für Dennis, der, wenn schon nicht Libby zurückgewinnen, doch zumindest ihr und seinem Sohn beweisen will, dass er kein totaler Loser ist und vor allem wichtigen davonläuft. Simon Pegg ist die Rolle auf den Leib geschrieben. Den Loser nimmt man ihm gerne ab und für besonders sportlich hat man ihn noch nie gehalten.

Also trifft er die folgenschwere Entscheidung, im gleichen Marathon wie Whit mitzulaufen.
In der Folge gibt es zwar wenig Überraschungen, denn der Plot für solche Filme ist tausendfach erprobt. Unterschiedlich nur, wie groß der Erfolg des Helden am Ende ausfällt, und wie sehr die Realität ins Märchen überführt wird.

Und hier punktet der Film ganz gewaltig. Die Pointen sitzen, und Dennis macht keine märchenhafte Wandlung durch, sondern bringt tatsächlich nicht eine einzige Sache in seinem Leben zu Ende. Das Duell mit dem erst so nett erscheinenden Nebenbuhler ist natürlich der zentrale Motor des Filmes, und dies weiss der Regisseur herrlich zu nutzen. Ist vielleicht Whit doch ein Stinkefuß? Um den Beweis zu erbringen muss Dennis wirklich und echt trainieren. Es macht einen Heidenspaß, dabei zuzusehen, wie  Whits Saubermann-Fassade langsam immer deutlichere Risse bekommt.

Unterstützt von seinem indischen Vermieter Mr. Goshdashdidar und seinem Kumpel Gordon, der als Rod-Stewart-Lookalike eine gute Figur macht, trainiert Dennis also. Seine Fortschritte sind überschaubar... Und natürlich ist das abschließende Rennen der Höhepunkt, der nicht enttäuscht. Mit der Realität eines Marathonlaufes hat das zwar wenig zu tun (weiss vor allem jeder, der man einen gelaufen ist), aber die Dramaturgie wird auf die Spitze getrieben.

Ein wenig enttäuschend ist die Rolle von Libby. Sie dient vor allem als Love Interest und hat eine relativ passive Frauenrolle, wie man sie heute eigentlich nicht mehr so gerne sehen möchte. Thandie Newton hat wesentlich mehr drauf. Es liegt vielleicht auch an dem Hybrid-Wesens des Filmes: amerikanischer Regisseur dreht mit britischen Schauspielnern in England, dass manches etwas zu harmlos daherkommt. Eine rein britsche Komödie wäre böser ausgefallen. Man  muss sich auf das leicht klamaukige Element einlassen, das vor allem durch Harish Patel als Mr. Goshdashdidar eingebracht wird.

Insgesamt jedoch speziell für Freizeitsportler ein wunderbar flockiger Film, der es mit der positiven Botschaft nicht übertreibt.